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Informationen zum Thema Sexueller Missbrauch

Definition

Mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder bzw. sexuellem Missbrauch sind alle Übergriffe gemeint, die mit Mitteln der Sexualität ausgeführt werden. Kennzeichnend dafür ist ein Machtungleichgewicht zwischen Täter/innen und Opfern. Die Kinder werden dabei für die Bedürfnisse von Erwachsenen benutzt und können den Handlungen aufgrund ihrer körperlichen, kognitiven, sprachlichen und/oder psychischen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen.

Die Definition von sexuellem Missbrauch im Strafgesetzbuch finden Sie hier. 
Statistik

Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet bundesweit jährlich ca. 12.000-13.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. Dies umfasst jedoch nur die angezeigten Fälle.

Nach einem Vergleich der in Deutschland verfügbaren Dunkelfeldstudien ist davon auszugehen, dass ca. 10-15% der Frauen und 5-10% der Männer bis zum Alter von 14 oder 16 Jahren in ihrem Leben sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Die Täter/innen kommen aus allen sozialen Schichten. Ca. 70-80% der Täter/innen stammen aus dem sozialen Umfeld oder aus der Familie der Kinder. Man geht nach momentanen Forschungsstand davon aus, dass ca. 80-90% der Täter/innen männlich sind. Zu berücksichtigen ist dabei, dass es wenig repräsentative Forschungsergebnisse zum Dunkelfeld sexualisierter Gewalt gegen Kinder in der Bundesrepublik Deutschland gibt.
Wichtige Fakten

Die Verantwortung für den sexuellen Missbrauch liegt immer beim Täter/der Täterin.

Jedes Kind hat das Recht, sich Hilfe zu holen und braucht dazu Erwachsene, die ihm glauben, ihm zuhören und es ernst nehmen unterstützen.

Die meisten Fälle sexuellen Missbrauchs sind geplante Wiederholungstaten von sozial unauffälligen Männern aus dem Umfeld des Kinders.

Jedes Mädchen und jeder Junge, gleich welcher sozialen Herkunft und welchen Alters kann Opfer eines sexuellen Übergriffes werden.
Missbrauchsdynamik

Täter/innen können Männer, Frauen und Jugendliche aus allen sozialen Schichten sein. Meistens kennen die Kinder die Täter/innen, sie kommen aus der Familie des Opfers oder aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld (Freizeit, Bekanntenkreis, Schule, etc.)

Täter/innen planen den Missbrauch - oft lange, bevor die eigentliche Tat stattfindet. Sie beobachten die Kinder und suchen sich oft Opfer aus, die soziale isoliert sind, ein besonderes Defizit an Aufmerksamkeit und Geborgenheit haben und/oder sich in anderen schwierigen sozialen und emotionalen Situationen befinden.

Durch die gezielte Auswahl ist es für die Täter/innen leicht, das Opfer emotional abhängig zu machen. Der von den Täter/innen ausgeübten Geheimhaltungsdruck ist vor diesem Hintergrund für die Kinder besonders bedrohlich.

Trotz dieser besonderen Gefährdung können alle Kinder, auch wenn sie sozial gut eingebunden und selbstsicher sind, Opfer eines sexuellen Übergriffes werden. 
Erleben des Missbrauchs

Wenn Kinder missbraucht werden, spüren sie oft, dass etwas nicht stimmt, aber sie haben häufig keine Worte dafür, sie sind verwirrt und verängstigt. Die Täter/innen sind oftmals Personen, die die Kinder lieben und denen sie vertrauen. Diese nutzen dieses Vertrauen gezielt aus, reden den Kindern Schuldgefühlre ein, bedrohen und erpressen sie und sorgen dafür, dass sie gehorchen und schweigen.

Manche Täter/innen machen die Kinder emotional abhängig durch Belohnungen, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder Bevorzugungen und verwirren so zusätzlich ihre Wahrnehmung. Die Kinder schämen sich oft, für das, was sie erleben. Sie fühlen sich schmutzig und denken, sie seien die Schuldigen.

Es erfordert sehr viel Mut und ein entsprechendes soziales Umfeld, damit Kinder sich in so einer Situation Hilfe holen können und sich einer anderen Person anvertrauen.
Menschen, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden

Manchmal finden Opfer sexualisierter Gewalt erst als Erwachsene den Mut, über das Erlebte zu sprechen. Der Geheimhaltungsdruck, den die Täter/innen ausgeübt haben, kann dazu führen, dass die Betroffenen jahrelang schweigen. Durch die hohe Belastung kann es aber auch zu Verdrängung oder Erinnerungsverlust kommen.

Die Opfer erinnern sich dann erst viel später an die Gewalttaten. Dazu kommt, dass die Schuld- und Schamgefühle verhindern, sich jemandem anzuvertrauen.

Jede Person hat jedoch das Recht, sich Hilfe zu holen, auch wenn die Taten schon sehr lange zurückliegen. Sie macht damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur eigenen Heilung.
Rechtliche Informationen

Wenn sie den sexuellen Missbrauch eines Kindes anzeigen möchten, sollten Sie sich zuvor genau über den Ablauf und die Konsequenzen einer Anzeige informieren und beraten lassen.

Es ist wichtig, nicht übereilt zu handeln und zu prüfen, ob das Kind ein Verfahren zu diesem Zeitpunkt verkraftet und welche Möglichkeiten es darüber hinaus zum Schutz des Kindes gibt.

Sexueller Missbrauch ist ein Offizialdelikt, das von staatlicher Seite verfolgt werden muss, sobald eine Anzeige vorliegt. Danach kann sie nicht mehr zurückgezogen werden. Unverzichtbar ist bei einer Anzeige die Vertretung durch eine erfahrende Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

Es besteht für Kinder und Jugendliche auch das Angebot der anonymen Spurensicherung nach Sexualstraftat. Nähere Hinweise dazu finden Sie hier.

Sie können sich auch beim dem Verdacht auf Kindesmissbrauch an den die Jugendämter oder an die Kinderschutzgruppe der Uniklinik Bonn wenden.

Was Sie tun können, wenn Sie sexuellen Missbrauch vermuten:

  • Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Sie glauben, dass etwas komisch ist.
  • Versuchen Sie Ruhe zu bewahren.
  • Konfrontieren Sie den vermuteten Täter/die vermutete Täterin nicht vorschnell.
  • Leiten Sie keine übereilten Schritte ein. Wichtig ist es, für jeden Einzelfall und die jeweilige Situation adäquate Hilfe zu finden. Suchen Sie dazu die Unterstützung einer Beratungsstelle. Nicht nur die Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern auch Sie selbst werden dort beraten und begleitet.
  • Führen Sie keine Befragung des Kindes durch, aber zeigen Sie sich gesprächsbereit und bieten Sie ihre Hilfe an, wenn Sie den Eindruck haben, dass es dem Kind nicht gut geht.
  • Haben Sie die Vermutung, dass ein Kind akut gefährdet ist, schalten Sie eine Fachberatungsstelle oder das Jugendamt ein.
Vorbeugende Erziehung

Erwachsene haben die Aufgabe, sich für den Schutz von Kindern einzusetzen. Sie können im Rahmen ihrer Erziehung dazu beitragen, das Risiko, Opfer sexualisierter Gewalttaten zu werden, zu verkleinern. Es ist wichtig, den Kindern keine Angst zu machen, sondern an ihren Stärken anzusetzen und ihr Widerstandspotential zu fördern.

Weniger gefährdet sind Kinder, die:

  • Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten und selbstsicher sind
  • gelernt haben, die Grenzen anderer zu akzeptieren und deren eigene Grenzen eingehalten und respektiert werden
  • ihre Bedürfnisse und Wünschen äußern können
  • altersgemäß in Entscheidungen einbezogen werden
  • gelernt haben, ihrer Wahrnehmung zu trauen
  • mit ihren Gefühlen, auch solchen wie Angst oder Hilflosigkeit ernst genommen werden
  • selbst entscheiden dürfen, wann und mit wem sie Körperkontakt haben und Zärtlichkeiten austauschen möchten
  • altersgemäß und kindgerecht über Sexualität und sexuellen Missbrauch informiert sind
  • Erwachsene in ihrem Umfeld haben, denen sie vertrauen können und die sie unterstützen.